Lithographie

Non-Toxic Lithography


In der Lithographie ist es erforderlich, zunächst die Zeichnung mit Fettkreide und Tusche auf den Stein aufzutragen.
Um einen Druck auf Papier herzustellen, muss das Bild auf dem Stein geätzt, ausgewaschen und präpariert werden.
Dieser Vorgang ist ein zentraler und sich oft wiederholender Arbeitsschritt in der Lithographie. Weil das mit Fettkreide und Tusche auf den Stein gezeichnete Bild bei dem anschließenden Auswaschvorgang und dem Präparieren nicht sicher ist, sondern durch Fehler in der Anwendung sogar zerstört werden kann, haben die meisten Lithographen bisher nichts an den traditionellen, aber gesundheitsschädlichen Materialien geändert.

Bei der Radierung, Holzschnitt und Siebdruck besteht diese Gefahr nicht, da es hier kein chemischer Vorgang ist. Aus diesem Grund war es schon vor einiger Zeit einfacher, bei diesen druckgraphischen Techniken die gesundheitsschädlichen Materialien aus den Werkstätten zu entfernen.

Zum Auswaschen eines Lithographie Steines wird immer noch mit Terpentin und Asphalt Tinktur (organische Lösungsmittel) gearbeitet. Es ist jedoch möglich das Terpentin durch ein BioSolut Lösungsmittel und die Asphalt Tinktur durch einen Biolack (BioLaq) zu ersetzen. Beides sind umweltfreundliche ungiftige Naturprodukte.

Durch einen Kontakt zu einer Werkstatt in den USA, habe ich 2020/21 begonnen, mit diesen neuen, nicht gesundheitsschädlichen, Materialien zu experimentieren und zu arbeiten. Außerdem verwende ich seit einiger Zeit umweltfreundliche Wasserlacke zur Herstellung der Druckform (Zeichnung) auf dem Stein und Biowash Öle zum Entfernen der Druckfarbe nach dem Druckvorgang. Auch bei dem Ätzvorgang des Steines kann die Salpetersäure durch Tannin (Gerbsäure) ersetzt werden.

Die Ergebnisse dieser Drucke sind sehr zufriedenstellend. All die oben genannten neuen Materialien sind umweltfreundlich und auch nicht gesundheitsschädlich. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass sie so gut funktionieren und dass man mit umweltfreundlichen Materialien sehr wohl Lithographien drucken kann.

Das Titelbild stammt aus dem Video „Der Druckkünstler Eckhard Gehrmann“, Haus der Stadtgeschichte, Offenbach 2021.

Non-Toxic Lithography

To print from a stone, it is necessary to apply the drawing with lithographic crayons and ink on the stone.
In order to print on paper, the picture needs to be etched, washed out and prepared. This act is a central and often repeated procedure in lithography. The image applied on the stone with lithographic crayons and ink is very delicate and therefore not safe. This image can be lost during the following washing out process and the final preparation by mistakes in handling. Therefore most lithographers did not dare to change the traditional well-known but toxic harmful materials.

In Etching, Woodcut and Serigraphy this danger does not exist since it is not a chemical process as in lithography. Therefore it was easier to remove the traditional toxic and harmful materials and replace them with environmentally sustainable and biodegradable materials.

Most of the time the lithographers work with mineral turpentine and asphalt (petrol-based solvents). It is possible to substitute the mineral turpentine through BioSolut (bio solvent) and the asphalt through BioLaq. Both are eco-friendly and safer solvent materials.

Through a contact with a workshop in the USA, I started in 2020 to experiment and work with environmentally sustainable and biodegradable materials. Besides that, I use water dilutable paint lately to draw the picture on the stone, and Biowash oils to remove the printing ink after printing. For the etching the nitric acid can be replaced through tannic etch. The results of these prints are very satisfying.

All the above-mentioned materials are environmentally sustainable and biodegradable and not harmful to health. I could not imagine that they function so well and that it is possible to print lithographies with these materials.

Ausstellungen

Zwieback-Skulptur

Zwei Zwieback-Scheiben aus Cortenstahl, je 240 x 180 cm, 2013 gefertigt und aufgestellt von der Arnold AG.
Verkehrskreisel Professor-Wagner-Straße / Am Viadukt, Friedrichsdorf, Link zu Google-Maps

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Wie entstand die Zwieback-Skulptur?

Der „Zwieback” ist Teil des Skulpturenpfades der Stadt Friedrichsdorf. Im Auftrag der Kulturstiftung ließ Gehrmann die aus zwei überdimensionalen Zwiebäcken bestehende Plastik, die heute einen Kreisel in der Innenstadt schmückt, nach seinen präzisen Vorstellungen fertigen. Er erinnert damit an eine alte Tradition der Stadt, in der früher bis zu 15 Fabriken das duftende Trockenbrot produzierten.

Wichtig war ihm, möglichst genau die raue Struktur eines echten Zwiebacks wiederzugeben. So ist die Oberfläche dem Porenbild des Brotes nachempfunden, allerdings stark vergrößert, um die Fernwirkung auf dem Kreisel zu erzielen. „Mich hat die Form des Zwiebacks als Stehle interessiert. Markant ist vor allem die Wölbung und Einschnürung am oberen Ende, fast schon wie bei einem Kopf“, so der Künstler.

(Textausschnitt: Flyer der Firma Arnold AG über Eckhard Gehrmann und seine Zwieback Skulptur)
Gesamter Text als PDF

Interview mit Eckhard Gehrmann zur Stahlskulptur. Es wird erzählt, wie die Idee dazu entstand und wie die auf Kunstwerke spezialisierte Arnold AG das Werk in Cortenstahl ausgeführt hat. Der Text ist aus der Arnold Kundenzeitschrift Forum, Nr. 40 vom September 2013:
Zwieback zum Reinbeißen (PDF).

Die Skulptur ist auch auf der Website Kunstimkreisverkehr.de gelistet.

Tiltelbild © Christoph Kaula, Jessica Winter

Eckhard Gehrmann in seiner Lithowerkstatt Vita

CV

Eckhard Gehrmann

1957geboren in Bad Homburg v.d.H.
1982 bis 1989Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende
Künste / Städelschule
in Frankfurt am Main, bei Karl Bohrmann, Christian Kruck, Thomas Bayrle und Per Kirkeby
19911. Preis der Internationalen Senefelder-Stiftung / Offenbach am Main für seine großformatigen Lithographien
seit 2012Dozent für Radierung und Zeichnung an der Frankfurter Malakademie
seit 2013Dozent für Lithographie an der Freien Kunstakademie Frankfurt
seit 2015Dozent für Lithographie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach
2021Ilse Hannes Kunstpreis, für das Graphische Werk
Er lebt und arbeitet in Friedrichsdorf im Taunus

Ausstellungen (Auswahl)

2020Flach – von einem einzigen Stein, Haus der Stadtgeschichte, Offenbach
Ins Grüne, Kunstsammlung Landratsamt, Hofheim am Taunus, artmaintaunus
2019Schichtungen, Kunstverein Bad Nauheim, mit Christoph Jakob, Seite Bad Nauheim
2018Drake Ramru, Kunstverein Bad Homburg, ARTlantis e.V., mit Urmar Herrmann
2017Nanaimo oder der Weg dorthin, Taunus-Galerie, Landratsamt, Bad Homburg, Seite Nanaimo
Seltene Treffer, 9 Positionen aktueller Druckgrafik, Oberfinanzdirektion, Frankfurt am Main (Gruppenausstellung)
Städelschüler x 10, Galerie DAS BILDERHAUS, Frankfurt am Main (Gruppenausstellung)
Malerei, Lithografie, Zeichnung, Galerie m50, Oberursel
2016Nanaimo, Galerie DAS BILDERHAUS, Frankfurt am Main
2011AusstellungsHalle 1A, Frankfurt am Main, mit Ralf Kirchner
2010Malerei, Galerie k9 Aktuelle Kunst, Hannover
Malerei, Galerija Kula, Split
2009Natur … und danach, Galerie m50, Frankfurt am Main
Natur … und danach, Hessenforst, Kassel
2008Kunsttreppe im Hospital zum Heiligen Geist, Frankfurt am Main
2001Das kleine Format, Galerie F.A.C. Prestel, Art Multiple, Düsseldorf (Gruppenausstellung)
Galerie F.A.C. Prestel, Frankfurt am Main (Gruppenausstellung)
2000Marianne und Heinrich Lenhardt-Stiftung, Pfalzgalerie Kaiserslautern (Gruppenausstellung)
1999Steindrucke, Museum Goch am Niederrhein
1998Kunst-Raum-Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart / Hohenheim
1997Raum für Kunst Annemarie Taeger, Frankfurt am Main
1996Drucke vom Stein, Marielies Hess-Stiftung, Goldhalle im Hessischen Rundfunk, Frankfurt am Main
1993Galerie Patio, Neu-Isenburg
1990Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Frankfurt am Main

Eckhard Gehrmann

1957was born in Bad Homburg v.d.H., Germany
1982 bis 1989studied at the art school „Staatliche Hochschule für Bildende Künste / Städelschule“ in Frankfurt am Main.
Studied with Karl Bohrmann, Christian Kruck, Thomas Bayrle and Per Kirkeby.
1991received the first prize of the International “Senefelder-Stiftung / Offenbach am Main“ for his large-sized lithography’s.
since 1990exhibitions at museum Goch / Niederrein; Pfalzgalerie Kaiserslautern; Marielies Hess-Stiftung in the Hessischen Rundfunk, Frankfurt / Main; Kunst-Raum-Akademie of the Diözese Rottenburg-Stuttgart / Hohenheim; Kommunale Galerie in the Leinwandhaus, Frankfurt/ Main; Galerie Patio, Neu-Isenburg; Art Multiple, Düsseldorf; gallery F.A.C. Prestel, Frankfurt / Main; Kunsttreppe, Frankfurt / Main, Galerie m50 Frankfurt am Main, Galerie Kula Split, Galerie k9 aktuelle Kunst, Hannover, amongst others.
2021Ilse Hannes – Art Award, for the Graphic Work

He lives and works in Friedrichsdorf / Taunus Germany.

Palimpsest 2 Pachakuti, 1993/2020, Lithographie, Schwarzdruck, 131 x 181 cm Lithographie

Palimpsest

Lithographien

Die Palimpsest Serie ist 2020 entstanden. Alle Blätter wurden nacheinander von einem einzigen Stein gedruckt, wobei ich die Druckform auf dem Stein immer wieder veränderte. Die anfangs fast vollflächig auf den Stein aufgetragene Tusche-/Pinselzeichnung wird durch Abschleifen nach und nach entfernt (reduziert) und druckt dadurch nicht mehr. Dieser Prozess der „Verlorenen Form“ ist unumkehrbar, dadurch sind alle Drucke einzigartig, das heißt nicht wiederholbar.

Man könnte die Blätter als eine „Familie“ bezeichnen, die miteinander verwandt sind, dadurch, dass die Urform mal mehr oder weniger durchscheint. Dieses Serielle des Mediums Druckgrafik ist für mich der Hauptgrund, Drucke zu machen. Die Möglichkeit der Vervielfältigung gleicher Exemplare interessiert mich weniger.

Palimpsest 2, Detail aus einem Blatt

Spuren aus früheren Versionen der Palimpsest Serie

Für die Palimpsest Serie habe ich bewusst am rechten Rand des Steines einen Teil der vorhandenen Ritzungen, Schleif- und Ätzspuren der langen Druckphase aus den 1990er Jahren stehen gelassen. Dadurch sind diese Spuren in den neuen Blättern in diesen Bereichen immer noch sichtbar. Der Stein vergisst nichts.  Die Steinoberfläche wurde nie vollständig abgeschliffen, nie ganz von seiner Zeichnung befreit. Es geht somit auch um die Findung eines Urbildes in der Mitte des einzigen, wieder und wieder benutzten Lithographie Steines.

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Lithographie Ausstellung Haus der Stadtgeschichte Offenbach Ausstellungen

Flach – von einem einzigen Stein

Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte, Offenbach am Main
26. Juli – 13. September 2020

Einführung per Video: Prof. Dr. Klaus Klemp

FLACHVON EINEM EINZIGEN STEIN  ist der Titel meiner zurzeit laufenden Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte in Offenbach am Main (26. Juli bis 13. September 2020). Dort zeige ich 19 Lithographien im Format 181 cm x 131 cm. Die meisten Blätter sind 2020 für diese Ausstellung entstanden, einige stammen jedoch aus der früheren Zeit von 1989 bis 2000.

Formal und auch in ihrer Farbigkeit sind die neuen Blätter mehr an meiner Malerei der letzten Zeit angelehnt. Da ich die neuen Blätter frei hängend, ohne Rahmen zeige, ist es möglich verschiedene Zustandsdrucke nah beieinander zu präsentieren.
Dabei wird das Serielle des eigenständigen Mediums Druckgrafik deutlich, der Arbeitsprozess wird dokumentiert.
Vor dem Auftragen einer neuen Tuschpinselzeichnung, für die neuen Blätter, musste die Steinoberfläche, die seit der früheren Druckzeit nicht mehr verändert wurde, abgeschliffen werden. Hierbei habe ich absichtlich an einem Rand des Steines die vorhandenen Ritzungen, Schleif- und Ätzspuren der langen früheren Druckphase nicht entfernt, sondern stehen gelassen.
Ich habe einige der frühen Drucke erneut überarbeitet, die diese Spuren tragen, dadurch konnten sich alte und neue Formen überlagern. 

Internetseite Haus der Stadtgeschichte, Offenbach

Ohnehin interessiert mich, angesichts des Aufwandes bei dem Druck der großen Blätter, weniger das Vervielfältigen zu einer Auflage von gleichen Drucken, als vielmehr das Einfühlen in die Möglichkeiten und Variationen der druckgraphischen Prozesse.
Die Farbe liegt ja in ihrer ganz eigenen Art auf dem Papier, die man so nicht malen könnte.
Wie färbe ich den Stein ein: entweder mit sehr fester Farbe, dünn eingewalzt und mit hohem Pressendruck gedruckt, oder aber mit sehr viel und weicher Farbe mit geringem Pressendruck gedruckt. Beides ergibt völlig unterschiedliche Ergebnisse wobei es von dem gleichen Stein mit der gleichen Zeichnung gedruckt wird.
Die anfangs fast vollflächig mit dem Pinsel aufgetrage Druckform wird nach und nach durch Abschleifen immer weiter reduziert, die Steinoberfläche wird freigelegt. Diese freigelegten Partien halten beim Druckvorgang die Feuchtigkeit und werden so beim Einwalzen mit Ölfarbe nicht mehr eingefärbt, da durch die Feuchtigkeit die fette Farbe abgestoßen wird (chemischer Druck).
Dieser Prozess der „verlorenen Form“ ist unumkehrbar und alle Drucke, die im Laufe der Zeit entstehen, sind dadurch einzigartig. Man könnte sie als eine Familie von Blättern bezeichnen, die miteinander „verwandt“ sind, dadurch, dass die Urform mal mehr oder weniger erscheint.

Form und Farbe sind getrennt.

Im Gegensatz zur Malerei, bei der alles ganz direkt ist und man unmittelbar am Endergebnis arbeitet, ist man als Künstler mitunter sehr lange mit einem Stein beschäftigt, immer in Erwartung eines bestimmten Ergebnisses nach dem Abdruck. Erst in einem zweiten Schritt, dem Einfärben und dem Drucken des Steines, materialisiert sich das eigentliche Bild.
Dieses prozesshafte Arbeiten, in verschiedenen Arbeitsschritten, unterscheidet die Druckgrafik ganz wesentlich von der Malerei.

„Der Stein macht, was er will“
Artikel von Christoph Schütte zur Ausstellung, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.11.2020 (PDF)

FLACHVON EINEM EINZIGEN STEIN 
Broschüre über Eckhard Gehrmann zur Ausstellung, mit ausführlichem Text und Fotos von Thomas Lemnitzer (PDF)

Videos aus der Ausstellung mit Eckhard Gehrmann finden Sie auf der Videoseite.

Ohne Titel, Kreide auf Papier, 26 x 35 cm, 2009 Zeichnung

Schwarzenfels

Schwarzenfels ist eine Rotbuche, die ich seit langem wieder und wieder zeichne.

Ab und zu muss ich sie schneiden, damit sie nicht zu groß wird. Sie scheint es sich zu merken und bleibt einige Zeit klein, bevor sie wieder versucht, ein großer Baum zu werden. Vielleicht ist das ihre Strategie. Buchen können warten auf das Licht, um dann schnell zu wachsen.

Bei Eichen ist das umgekehrt. Sie wachsen erst schnell und später langsam.

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Yangtsekiang II, Öl auf Papier, 50 x 70 cm, 2019 Malerei

Bad Nauheim

Diese Serie entstand 2018/19 für die Ausstellung „Schichtungen” im Kunstverein Bad Nauheim. Neu ist hier die stark farbige Untermalung (pink und orange), die mit dunkler komplementärer Farbe (paynes grau) überarbeitet wurde. Durch Einritzungen und anschließendes Überziehen mit einem breiten Rakel wird einerseits die Untermalung freigelegt. Andererseits reagiert die Farbmaterie als Material aufeinander und erzeugt so das endgültige Bild.

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Ausstellung „Schichtungen”

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Einladungskarte


Zur Ausstellungseröffnung „Schichtungen” laden der Magistrat der Stadt Bad Nauheim
und der Kunstverein Bad Nauheim Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein.

Eckhard Gehrmann / Christoph Jakob
Vernissage: Freitag, den 28. Juni 2019, 19.00 Uhr


Begrüßung: Jens Arnold, Vorsitzender des Kunstverein Bad Nauheim
Eröffnung: Peter Krank, Erster Stadtrat der Stadt Bad Nauheim
Einführung: Dr. habil. Iris Maria Gniosdorsch

Ausstellungsdauer: 29. Juni bis 04. August 2019
Künstlergespräch: Freitag, 19. Juli, 17:00 Uhr in der Galerie der Trinkkuranlage

Abbildungen: Eckhard Gehrmann 2019, Christoph Jakob 2019


Buche im Mai, 2017, Öl auf Holz, 68 x 85 cm Malerei

Bäume

Schwarzenfels und Roter Hauptmann sind zwei Bäume in meinem Garten. Immer wieder male und zeichne ich dort an den gleichen Orten (von derselben Stelle aus).
Ich arbeite gerne im Freien, da ist eine andere Dringlichkeit, etwas zu machen. Eine Unmöglichkeit, es zu erfassen.
Man wird ganz klein.
Oft verzweifelt man, macht dann doch etwas, was wahr ist.
Manchmal breche ich ab, habe aber im Nachhinein doch schon das gemacht, was mich hat hinsehen lassen.
Die Bilder sind oft mit breiten Oilsticks in der nassen Ölfarbe gearbeitet. Ganz nah den Zeichnungen.

Es wäre leichter, mit Fotografien zu arbeiten, aber im Malen nach der Natur liegt eine Energie, eine Dringlichkeit, die bei fotografischen Vorlagen fehlt. Du fängst etwas ein, das sich dir entzieht und dessen du dir nicht sicher bist und du versuchst, es festzuhalten, bevor es verschwindet.

Philip Pearlstein, amerikanischer Maler
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Lithographie

Lithographie Werkstatt

Die Lithographie ist das älteste Flachdruckverfahren und Vorläufer des Offsetdrucks mit dünnen Aluminiumplatten. Heute werden weltweit 80% aller Druckaufträge im Offsetdruck ausgeführt. Künstler drucken allerdings weiterhin meist von Steinen.

Der Flachdruck wird als chemischen Druckverfahren bezeichnet, da er auf der gegenseitigen Abstoßung von Fett und Wasser beruht. Die druckenden und nicht druckenden Teile der Oberfläche des Lithographie-Steins befinden sich im Gegensatz zum Hoch- und Tiefdruck auf einer Ebene. Lediglich durch das Befeuchten des Steins vor dem Einwalzen mit öliger Druckfarbe wird erreicht, dass die Farbe nur an Stellen der vorher aufgetragenen Zeichnung hängen bleibt. An den feuchten Stellen des Steins wird die Druckfarbe hingegen abgestoßen.

Film

Druck der Palimpsest 2 Lithographien, April/Juli 2020, Film 1:44 Min., Film Carolyn Krüger, Fotos © Thomas Lemnitzer

„Von einem einzigen Stein”

Drucke sind immer auch „nur ein Abdruck von etwas”, also indirekter als die Malerei. Als Künstler setzt man sich immer zuerst mit einer Druckplatte, mit einem Material auseinander und kann dann später entscheiden, in welcher Farbe man wie druckt.

„Form und Farbe sind getrennt”

Durch das Teilen einer Auflage von Drucken, die unverändert bleiben und anderen Blättern, die mit immer neuen Farben überdruckt werden, entstehen mit der Zeit zahlreiche Unikate. Diese können nicht wiederholt werden, da die Steinoberfläche immer weiter verändert wird.

Beschreibung der Arbeitsschritte (PDF)  – Fotodokumentation und Bilder aus den Workshops während der Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte, Offenbach.
Text und Fotos: Thomas Lemnitzer

Clayoquot, 2016/17, Öl auf Leinwand, 180 x 380 cm Malerei

Nanaimo

Kanadische Landschaft

Nanaimo oder Der Weg dorthin

Die Nanaimo Serie ist nach einer Reise nach Vancouver Island, Kanada, entstanden. Nanaimo, Nitinat sind die Namen der First Nations Ureinwohner. Auf Meares Island, einer Insel im Cayoquot Sound (Claaqwat), der im Pazifik liegt, sind zahlreiche Fotos entstanden. Sie waren Inspiration für viele meiner Bilder.

Katalogtext Olaf Velte

Mit der Spachtel graben

Da steht ein Roter Hauptmann im alten Garten. Überfrachtet von Jahren und Jahrzehnten, stets im Licht von Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Etwas, das wegdämmert, sich zäh erneuert, bleiben will.
Etwas, das Eckhard Gehrmann mit brauner Kreide ins Papier zieht, Stück für Stück, stammweise. Und das Lebendige zeichnet sich ein. Nicht alleine bleiben Schorf, Wunde, Totholz, der sichtbare Rest. Junge Triebe dann wie Lufthauch, Gespenster.

Nach den Zeichnungen, Studien, dem Vor-der-Natur kommen Spachtel und Ölfarbe, das vollere Sein. Wie Körperinnenräume öffnet sich der Bäume Bild. Äste, Wurzeln, Flechten. Zugleich Geäder, organische Leibhaftigkeit. Filigrane Feinnervigkeit braucht es da nicht. Gehrmann packt zu, ist roh im Formen. „Währenddessen bei sich und außer sich sein.“ Beachte den Zug der Spachtel, die Bewegung des Arms.

Der Künstler sieht, was gestaltet werden muss. Sieht und gestaltet das Gebrochene, Stille, Vergehende. Das Kommende. Kreisläufe in der Natur, die unsere Welt ist.

Wer das Hinschauen bei Handhabung einer kalten Nadel lernt, ist nah dran, gräbt sich ein. Form wird Energie, wird wesentlich. Keine Blüten, keine Blumen. Aber das im Chaos, im Wilden sich Bildende. Eckhard Gehrmanns Nah- und Naturformen weiten sich zu Landschaften, die in steter Bewegung sind.

Abstrakt? Hier sind die vier Elemente gegenwärtig. Beispiellosen Farbkompositionen mitgegeben. In rücksichtsloser Hingabe, Freiheit. Dass die abschließenden Spachtelhiebe keine Nebenprodukte am Ende des Werkeltages sind, ist offensichtlich.

Eine Arbeit, die das Unmögliche will. Festhalten, was Raserei im Unsichtbaren ist, was Menschenverstand nicht strukturieren kann. Alle Zeit außer Kraft. Alles sich im Naturraum Ereignende auf einmal.

„Du fängst etwas ein, das sich dir entzieht und dessen du dir nicht sicher bist, und du versuchst es festzuhalten, bevor es verschwindet“, hat der amerikanische Maler Philip Pearlstein einmal geschrieben. Auch Eckhard Gehrmann folgt einer „Energie der Dringlichkeit“.

Da steht ein Roter Hauptmann in einem Garten. Überfrachtet von Bedeutung, von Zeichen, die gedeutet sein wollen. Und ein Künstler geht in den ehemaligen Schlafsaal eines Mädchenpensionats – welcher heute sein Atelier ist – und greift sich Spachtel, Farbtopf, die noch leere Tafel.

Olaf Velte

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Auszug aus dem Vorwort zum Katalog „Nanaimo”

Denn so leicht, so bereitwillig hat man sich auch schon eine Weile nicht mehr täuschen lassen von Geste, Farbspektrum und Material. Denn es stimmt ja, im Grunde ist er immer schon Landschafts-, genauer: ein Naturmaler gewesen. Gehrmann, der in den achtziger Jahren bei Christian Kruck, Karl Bohrmann und Per Kirkeby an der Frankfurter Städelschule studiert hat, liebt wie die Pleinair-Maler des 19. Jahrhunderts seit jeher das Arbeiten vor der Natur und dem Motiv.

Und die Serie der vor einem alten knorrigen Apfelbaum, dem Nussbaum oder der verwachsenen Buche im heimischen Garten entstandenen Kreidezeichnungen, der Zusammenklang von in extremer An- und Auf- und Nahsicht eingefangenem alten Holz und jungen Trieben, ist denn auch exemplarisch nicht nur für sein grafisches, sondern auch für sein im engeren Sinne malerisches Schaffen.

Ein Künstler also, dem die Erscheinungsformen der Natur noch allemal genügend Anlass zu immer neuen Bildern bieten. Weniger freilich als mimetischer Reflex oder gar in romantisch zu nennender Emphase, sondern weil sich hier alle Formen, Farben, Fantasien, weil sich Motive und Strukturen, Vokabular und Kolorit und mithin alles, was der Künstler sieht und was ihm wert erscheint, ein Bild zu machen und ihm doch stets ein Rätsel bleibt, seit jeher aufgehoben und gespiegelt finden. Und in der Tat schlägt sich Gehrmanns hier zum Ausdruck kommende Haltung zur Welt und zur Natur denn auch in seinem aktuellen Schaffen nieder.

Den blätterbaren Online-Katalog finden Sie auf den Info-Seiten.