Lithographie Ausstellung Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Flach – von einem einzigen Stein

Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte, Offenbach am Main
26. Juli – 13. September 2020

Einführung per Video: Prof. Dr. Klaus Klemp

FLACHVON EINEM EINZIGEN STEIN  ist der Titel meiner zurzeit laufenden Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte in Offenbach am Main (26. Juli bis 13. September 2020). Dort zeige ich 19 Lithographien im Format 181 cm x 131 cm. Die meisten Blätter sind 2020 für diese Ausstellung entstanden, einige stammen jedoch aus der früheren Zeit von 1989 bis 2000.

Formal und auch in ihrer Farbigkeit sind die neuen Blätter mehr an meiner Malerei der letzten Zeit angelehnt. Da ich die neuen Blätter frei hängend, ohne Rahmen zeige, ist es möglich verschiedene Zustandsdrucke nah beieinander zu präsentieren.
Dabei wird das Serielle des eigenständigen Mediums Druckgrafik deutlich, der Arbeitsprozess wird dokumentiert.
Vor dem Auftragen einer neuen Tuschpinselzeichnung, für die neuen Blätter, musste die Steinoberfläche, die seit der früheren Druckzeit nicht mehr verändert wurde, abgeschliffen werden. Hierbei habe ich absichtlich an einem Rand des Steines die vorhandenen Ritzungen, Schleif- und Ätzspuren der langen früheren Druckphase nicht entfernt, sondern stehen gelassen.
Ich habe einige der frühen Drucke erneut überarbeitet, die diese Spuren tragen, dadurch konnten sich alte und neue Formen überlagern. 

Internetseite Haus der Stadtgeschichte, Offenbach

Ohnehin interessiert mich, angesichts des Aufwandes bei dem Druck der großen Blätter, weniger das Vervielfältigen zu einer Auflage von gleichen Drucken, als vielmehr das Einfühlen in die Möglichkeiten und Variationen der druckgraphischen Prozesse.
Die Farbe liegt ja in ihrer ganz eigenen Art auf dem Papier, die man so nicht malen könnte.
Wie färbe ich den Stein ein: entweder mit sehr fester Farbe, dünn eingewalzt und mit hohem Pressendruck gedruckt, oder aber mit sehr viel und weicher Farbe mit geringem Pressendruck gedruckt. Beides ergibt völlig unterschiedliche Ergebnisse wobei es von dem gleichen Stein mit der gleichen Zeichnung gedruckt wird.
Die anfangs fast vollflächig mit dem Pinsel aufgetrage Druckform wird nach und nach durch Abschleifen immer weiter reduziert, die Steinoberfläche wird freigelegt. Diese freigelegten Partien halten beim Druckvorgang die Feuchtigkeit und werden so beim Einwalzen mit Ölfarbe nicht mehr eingefärbt, da durch die Feuchtigkeit die fette Farbe abgestoßen wird (chemischer Druck).
Dieser Prozess der „verlorenen Form“ ist unumkehrbar und alle Drucke, die im Laufe der Zeit entstehen, sind dadurch einzigartig. Man könnte sie als eine Familie von Blättern bezeichnen, die miteinander „verwandt“ sind, dadurch, dass die Urform mal mehr oder weniger erscheint.

Form und Farbe sind getrennt.

Im Gegensatz zur Malerei, bei der alles ganz direkt ist und man unmittelbar am Endergebnis arbeitet, ist man als Künstler mitunter sehr lange mit einem Stein beschäftigt, immer in Erwartung eines bestimmten Ergebnisses nach dem Abdruck. Erst in einem zweiten Schritt, dem Einfärben und dem Drucken des Steines, materialisiert sich das eigentliche Bild.
Dieses prozesshafte Arbeiten, in verschiedenen Arbeitsschritten, unterscheidet die Druckgrafik ganz wesentlich von der Malerei.

„Der Stein macht, was er will“
Artikel von Christoph Schütte zur Ausstellung, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.11.2020 (PDF)

FLACHVON EINEM EINZIGEN STEIN 
Broschüre über Eckhard Gehrmann zur Ausstellung, mit ausführlichem Text und Fotos von Thomas Lemnitzer (PDF)

Videos aus der Ausstellung mit Eckhard Gehrmann finden Sie auf der Videoseite.